Novo Banco Verkauf

Jetzt ist es offiziell: die aus der Banco Espirito Santo (BES) hervorgegangenen Novo Banco wird an den US Investor Lone Star verkauft
Sonntag, 02 April 2017 | Wirtschaft

Mit dem Verkauf der Novo Banco, die nach dem Zusammenbruch der BES im Jahre 2014 vom Bankenrettungsfond Fundo de Resolução gehalten wurde, ist ein weiterer Schritt zur Restrukturierung und Sanierung des Bankensystems in Portugal erfolgt. Bereits in 2015 war die notleidende Banco Internacional de Funchal (Banif) von der Banco de Portugal an die spanische Banco Santander verkauft worden.

Wie die portugiesische Regierung bestätigt hat, übernimmt Lone Star 75% der Anteile, die restlichen 25% verbleiben beim Fundo de Resolução. Lone Star hat sich zu einer Kapitaleinlage in Höhe von 1 Mrd. € verpflichtet, im Gegenzug übernimmt der Fonds Garantien in Höhe von 4 Mrd. € für die Altlasten der Bank. An der Frage der Garantien durch die öffentliche Hand waren frühere Versuche zum Verkauf der Bank gescheitert.

Die Novo Banco ist 2014 aus der Banco Espirito Santo (BES), der ehemals zweitgrößten Privatbank Portugals, hervorgegangen, die zur Unternehmensgruppe Espirito Santo gehörte. Deren spektakulärer Zusammenbruch infolge einer Reihe riskanter Transaktionen der zur Gruppe gehörenden Investment Gesellschaft RioForte führte letztlich zu einer Rettungsaktion (Bailout) der BES durch die Bank von Portugal. Dabei wurde das reguläre Bankgeschäft in die Novo Banco übertragen und die risikobehafteten Kredite wurden ausgelagert.

Die Umstände, die zum Zusammenbruch der Grupo Espirito Santo führten, sind seit Jahren Gegenstand von juristischen Untersuchungen und Auseinandersetzungen. In die sog. „Operation Marquês“ sind mehr als 2 Dutzend hochrangige Manager und Politiker verwickelt, darunter der ehemalige Premierminister José Socrates und Ricardo Salgado, der letzte Vorstandsvorsitzende der Gruppe. Ihnen wird u.a. Korruption und Geldwäsche in großem Stil vorgeworfen.

Zur Unternehmensgruppe Lone Star Funds mit Sitz in Dallas (Texas) gehören eine Reihe von Private Equity Fonds, die vorzugsweise sanierungsbedürftige Unternehmen, darunter auch Banken und Finanzdienstleiser, aufkaufen und nach einer Sanierung wieder veräußern. In Deutschland ist Lone Star auch durch den Erwerb der IKB (Deutsche Industrie Bank) im Jahre 2008 von der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) infolge der Bankenkrise bekannt geworden.

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